Auch in diesem Jahr haben wir am 15.05.2010 unseren Satzaalbesatz getätigt. Die Aale in der Größe von 15-20 cm werden über den Bezirk in großen Mengen zu vertretbaren Konditionen geordert. Gut verpackt und mit reinem Sauerstoff versorgt werden die bestellten Losgrößen von den Vereinen in Denstorf bei Braunschweig abgeholt. Nach dem PKW-Transport werden die Fische schonend und vereinzelt in die jeweiligen Vereins-Gewässer verbracht. In diesem Jahr wurde neben der Oker auch der Vienenburger See und Lengde I-III besetzt.
Mit dieser jährlichen Besatzmaßnahme leisten wir einen Beitrag zum europäischem Aalmanagementplanes. Europäische Kommission fordert drastische Maßnahmen... Europaweit sind die Aalbestände inzwischen so weit zurückgegangen, dass der Europäische Aal (Anguilla anguilla) als "stark gefährdet" angesehen werden kann. Die Europäische Kommission hält deshalb drastische Maßnahmen zum Schutz des Aals für erforderlich. In der Mitteilung des Vorschlags der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament mit dem Titel "Entwicklung eines gemeinschaftlichen Aktionsplans zur Bewirtschaftung des Europäischen Aals" (KOM (2003) 573 endg.) wurden mögliche Sofortmaßnahmen zum Schutz der Aalbestände aufgezeigt. Ziel des Vorschlags für eine Verordnung ist die Wiederauffüllung des Bestandes des Europäischen Aals auf historische Abundanzwerte bei ausgewachsenen Fischen sowie das Nachwachsen von so genannten Glasaalen (KOM (2005) 472 endg.). Mit in Kraft treten der Verordnung (EG) Nr. 1100/2007 des Rates vom 18. September 2007 erklären sich die Mitgliedstaaten in der Richtlinie 92/43/EWG und 2000/60/EG des Europäischen Parlaments und Rates bereit, den Schutz, die Erhaltung und die Verbesserung der Gewässer, in denen die Aale einen Teil ihres Lebenszyklus verbringen, sicherzustellen. Dafür sind laut aktueller Verordnung nationale Aalbewirtschaftungspläne, welche den Gegebenheiten im eigenen Land Rechnung tragen, zu erarbeiten und der Kommission bis spätestens 31. Dezember 2008 vorzulegen. Ziel jedes Aalbewirtschaftungsplanes ist es, die anthropogene Mortalität zu verringern und so mit hoher Wahrscheinlichkeit die Abwanderung von mindestens 40 % derjenigen Biomasse an Blankaalen ins Meer zuzulassen, die gemäß der bestmöglichen Schätzung ohne Beeinflussung des Bestandes durch anthropogene Einflüsse ins Meer abgewandert wäre. Ein Mitgliedstaat, der der Kommission bis zum 31. Dezember 2008 keinen Aalbewirtschaftungsplan zur Genehmigung vorgelegt hat, bewirkt durch eine Verkürzung der Fangzeit für Aal oder durch andere Maßnahmen eine Reduzierung des Fischereiaufwandes um mindestens 50 %, ab 1. Januar 2009. Um Sanktionen durch die Europäische Kommission im FGE Elbe vorzubeugen erfolgte unter der Federführung des Instituts für Binnenfischerei e.V. Potsdam-Sacrow und Zuarbeitung der fischereilichen Daten der Elbanliegerländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein die Erstellung eines Aalmanagementplanes im Jahr 2007. Eine sinnvolle Maßnahme stellt dabei der Besatz mit so genannten Farmaalen, vorgestreckte Aalbrut aus überwachten Farmen dar. Im Freistaat Sachsen sowie den bereits oben genannten Anliegern der FGE Elbe wird deshalb im Rahmen des FIAF-Projektes "Wiederauffüllung des Aalbestandes im Einzugsgebiet der Elbe" seit August 2006 versucht, durch geeignete Besatzmaßnahmen eine Erhöhung der Laichfischbestände zu erreichen, um ein Nachwachsen von juvenilen Aalen zu ermöglichen. Quelle: Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie Referat Fischerei, Überbetriebliche Ausbildung
Warum besetzen die Vereine Aale in der Größe um 20 cm? Ab und zu hört man den Verdacht, daß Aalfarmen vor allem schwachwüchsige Fische als Besatz verkaufen. Dr. Holmer Kuhlmann, Biologe der Bundesforschungsanstalt für Fischerei, schreibt dazu für die Aalpost: Das Geschlecht des europäischen Aales unterliegt zwar auch dem Einfluß seiner Erbanlagen, doch zum überwiegenden Teil wird es von Umweltbedingungen beeinflußt. Welche Faktoren in welche Richtung wirken, ist noch weitgehend unbekannt; völlig unübersichtlich wird die Entwicklung, wenn mehrere Faktoren zuammenwirken. Experimente ergaben, daß hohe Besatzdichte (und möglicherweise damit verbundene schlechtere Wasserqualität) zu einem größeren Männchenanteil führen. Hohe Temperaturen und gutes Nahrungsangebot verursachen einen stärkeren Weibchenanteil. Erwiesen ist: Bis zu einer Länge von ca. 18-25 cm legen Aale beide Geschlechter gleich an, sie sind also 'Zwitter im Wartestand'. Erst ab der genannten Länge des Aals degeneriert der eine oder der andere Zelltyp (Hoden oder Ovar), und ein Geschlecht gewinnt die Oberhand. Die endgültige Reifung erfolgt bekanntlich erst während der Laichwanderung in die Sargassosee. Die Behauptung, Satzaale aus Farmen bestünden überwiegend aus Männchen, ist falsch. Das steht fest für Aale unterhalb der Größe 18-25 cm. Andererseits stimmt es, daß sich Glasaale überwiegend zu Männchen entwickeln, wenn sie in Kreislaufanlagen bis zu Speiseaal-Größe aufgezogen werden. Weil die Aalversandstelle ausschließlich mit Farmen zusammenarbeitet, die Glasaale nur bis Satzaalgröße aufziehen und keine Speiseaale produzieren, ist der angebotene Besatz geschlechtlich undifferenziert. Wer Farmaale in Größen 18-25 cm bezieht, kann sicher sein, daß bei diesen die Geschlechter noch nicht festgelegt sind. Quelle: Aalpost |